International Office

Ein Auslandsaufenthalt in Zeiten von Corona? Vier Med Uni Graz-Studierende, die ihren Auslandsaufenthalt trotz Corona gestartet oder fortgesetzt haben, und aktuell in Frankreich, Lettland, Mexiko und Kanada studieren, famulieren, Praktika absolvieren und forschen, berichten von ihren Erfahrungen. Wir haben sie gefragt, warum sie trotz der Pandemie ins Ausland gegangen oder dort geblieben sind, wie ihr Alltag vor Ort aussieht, ob Corona sogar etwas Positives mit sich gebracht hat und was sie anderen Studierenden raten würden, die vor der Entscheidung stehen, ins Ausland zu gehen.

 

Teil 4 – Erasmus-Semester in Lettland

Med Uni Graz-Student Markus begann die Planung seines Auslandsstudiums noch vor Corona, wurde jedoch bald von den Zweifeln, die die Pandemie für seinen Auslandsaufenthalt mit sich brachte, eingeholt. Trotzdem begann er im August 2020 sein Erasmus+ Semester an der Riga Stradins Universität in Lettland, das sich aktuell wegen neuerlicher Einschränkungen schon früher als erwartet dem Ende zuneigt.

Wie war die COVID-19-Situation, als Sie damit begonnen haben, Ihren Auslandsaufenthalt zu planen? Beeinflusste die Corona-Pandemie Ihre Vorbereitungen vor der Abreise?

Begonnen zu planen habe ich diesen Aufenthalt im Wintersemester 2019, also in einer Zeit vor Corona. Bald schon stellte sich jedoch heraus, dass diese Planung sich wohl etwas komplizierter gestalten würde als in einem regulären Jahr. Die sich ständig ändernde Situation und wachsende Unsicherheit auf globaler, universitärer und persönlicher Ebene führten zu einem konstanten Kampf mit der Frage, ob sich unter diesen Umständen ein Auslandssemester verwirklichen, rechtfertigen und genießen lässt. Letztendlich entschied ich mich dafür, die Herausforderung anzunehmen und trotz der schwierigen Umstände das Beste daraus zu machen. Diese Entscheidung kam daher, das ich bereits im fünften Studienjahr bin, somit gab es auch keine wirkliche Möglichkeit des Verschiebens. Also entweder Erasmus-light oder kein Erasmus. Das „grüne Licht“ von Seiten der Partnerinstitution bekam ich erst einige Wochen vor der geplanten Abreise. Diese äußerst kurzfristigen Informationen und Zulassungen verkürzten zwar die Vorbereitungszeit erheblich, hatten aber weniger Einfluss auf die tatsächliche Abreise. Lediglich einen COVID-Test musste/wollte ich vor der Abreise erledigen.

Wie war die COVID-19-Situation vor Ort, als Sie in Riga angekommen sind, und wie hat Ihr Start ins Auslandssemester ausgesehen?

Als ich dann in Riga ankam, betrat ich (nach zwei Wochen Selbstisolation) eine andere Welt, vermeintlich ohne COVID. Geschäfte, Museen, Gastronomie, Nachtclubs operierten faktisch ohne spürbare Einschränkungen. Öffentliche Verkehrsmittel, Einkaufszentren, Clubs waren gestopft voll. Keine Spur von Masken. Trotz all dem und einer ausreichenden Anzahl durchgeführter Tests gab es eigentlich keine Fälle, skurril. Lettland war schon im Frühjahr in der interessanten Position gewesen, auch ohne Lockdown oder maßgeblich einschränkende Maßnahmen eine äußerst niedrige Anzahl an Cases beobachtet zu haben. Dies schlug sich auch in der mangelnden Awareness, Einsicht und Compliance der Bevölkerung in Bezug auf später implementierte Maßnahmen wieder. Von Seiten der universitären Lehre war der Start recht unspektakulär. Der erste Monat wurde rein online abgehalten. Inskription und Organisation meines Semesters wurde problemlos vom International Office übernommen. Allerdings kämpft die Universität bis heute damit, einigermaßen akzeptable Lehre auf virtuellem Wege anzubieten.

Wie sieht Ihr Alltag in Lettland aus? Wodurch unterscheidet er sich von einem „normalen“ Aufenthalt, wie Sie ihn sich ursprünglich erwartet hätten, hätte es Corona nicht gegeben?

Diese Zeiten, wie sie im Sommer waren, änderten sich in den folgenden Monaten. Steigende Fallzahlen resultierten in stetig restriktiveren Maßnahmen. Derzeit ist der Alltag eindeutig gedämpft, wobei man sagen muss, dass dieser international verglichen noch sehr frei ist. Gastronomie basiert auf Take-away, Veranstaltungen sind nicht mehr möglich und On-site Lehre gab es auch nur sehr kurz. Auf der anderen Seite sind aber Museen, Einkaufsmöglichkeiten und Sportstätten geöffnet. Somit ist der Alltag zwar gedämpft, allerdings nicht tot. Für mich persönlich waren die wichtigsten Eckpunkte meines Erasmus-Aufenthalts: Fortschritt im Studium, Erleben von unterschiedlichen Kulturen, Kennenlernen von internationalen Personen und Bereisen von verschiedenen Ländern. Aufgrund der gegebenen Umstände lag der Fokus dann vor allem darin, universitäre Leistung zu erbringen, Lettland zu bereisen und internationale Studierende kennenzulernen.

Was wäre aus Ihrer Sicht besser, wenn Sie zu einer „coronafreien“ Zeit in Lettland wären?

In einer coronafreien Zeit wären meiner Meinung nach einige Dinge wesentlich anders gelaufen. Die Lehre an der RSU ist unter normalen Umständen hauptsächlich praktisch orientiert. Online-Lehre konnte dies nicht ersetzen. Riga ist eine Stadt mit einer Vielzahl an interessanten gesellschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten. Diese konnte ich nur für einige Wochen entdecken. Traditionelle Feste wurden in wesentlich kleinerem Rahmen gefeiert als noch die Jahre zuvor. Normalerweise ist Riga eine Art Drehscheibe für den gesamten Nord-Osten Europas. Dies war klarerweise anders in diesem Jahr.

Hat Corona Ihren Auslandsaufenthalt auch in irgendeine Richtung positiv beeinflusst?

Ich denke nicht, dass Corona irgendwelche positiven Auswirkungen auf meinen Aufenthalt hatte.

Was würden Sie Studierenden raten, die gerade vor der Entscheidung stehen, sich für einen Auslandsaufenthalt zu bewerben?

Generell würde ich jedem Studierenden generell nahelegen, einen Auslandsaufenthalt während des Studiums, des PJ oder der weiteren Ausbildung anzustreben. In diesen äußerst atypischen Zeiten muss ich diesen Standpunkt etwas anpassen. So würde ich Personen, die derzeit einen solchen Aufenthalt planen, raten, sollte es andere Möglichkeiten geben, diesen in eine Zeit zu verschieben, welche eventuell nicht mehr von Corona dominiert wird. Optimistischer weise mag dies eh bereits im nächsten Wintersemester der Fall sein.

 

  

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