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Ein Auslandsaufenthalt in Zeiten von Corona? Vier Med Uni Graz-Studierende, die ihren Auslandsaufenthalt trotz Corona gestartet oder fortgesetzt haben, und aktuell in Frankreich, Lettland, Mexiko und Kanada studieren, famulieren, Praktika absolvieren und forschen, berichten von ihren Erfahrungen. Wir haben sie gefragt, warum sie trotz der Pandemie ins Ausland gegangen oder dort geblieben sind, wie ihr Alltag vor Ort aussieht, ob Corona sogar etwas Positives mit sich gebracht hat und was sie anderen Studierenden raten würden, die vor der Entscheidung stehen, ins Ausland zu gehen.

 

Teil 1 – Erasmus-Semester in Frankreich

Jan studiert im 9. Semester Humanmedizin an der Med Uni Graz und absolviert seit Jänner 2020 einen Erasmus+ Studienaufenthalt an der Université Toulouse III – Paul Sabatier in Frankreich. Während Corona zu Beginn seines Auslandsaufenthalts noch kein Thema in Frankreich war, war das Land einige Wochen später ebenso von der Pandemie betroffen. Trotzdem entschied er sich, in Frankreich zu bleiben und seinen Aufenthalt sogar von einem auf zwei Semester zu verlängern.

Haben Sie überlegt, nach Hause zurück zu kehren? Warum haben Sie sich dazu entschieden, vor Ort zu verlängern?

Nein das war für mich keine Option. Ich habe mich hier in Frankreich und in meiner WG sehr wohl gefühlt. Ich konnte und kann mein Studium hier fortsetzen und in der Klinik viel Praxiserfahrung sammeln und habe gleichzeitig einen Studienfortschritt. Das Studium hier ist sehr praktisch und man darf sehr viel machen als Student. Mich hat auch die Region und die Stadt überzeugt und mir gefällt die Lebensart.

Wie war die COIVD-19 Situation im März für Sie vor Ort?

Hier in Frankreich gab es einen ziemlich strengen Lockdown mit sehr strengen Ausgangsbeschränkungen, maximal für eine Stunde und maximal einen Kilometer vom Wohnort entfernt, da ging gar nichts. Es wurden alle Kurse auf online-Kurse umgestellt und die meisten Famulaturen wurden abgesagt. Kurz vor dem Lockdown sind sehr viele Erasmusstudierende abgereist und man war erstmal auf sich allein gestellt. Unser Medizin-Erasmuskoordinator war überhaupt nicht hilfreich, aber mit Selbstinitiative konnte man auf manchen Stationen weiterhin famulieren, besonders auf der Notaufnahme und die für COVID umgebauten Stationen konnte man gut helfen und lernen.

Wie sieht Ihr Alltag in Frankreich aus? Wodurch unterscheidet er sich von einem „normalen“ Aufenthalt, wie Sie ihn sich ursprünglich erwartet hätten, hätte es Corona nicht gegeben?

Ich bin ziemlich viel am famulieren, also mehr im Krankenhaus als auf der Uni. Danach mache ich noch etwas Sport und am Abend bin ich aufgrund der Ausgangsbeschränkungen in meiner WG. Man trifft auch nicht so viele Studenten, da es kaum Kurse mit Anwesenheit gibt. Erwartet habe ich etwas mehr Käse, Baguette und Rotwein in der Sonne mit Musik, Freunden und anderen Studenten. Dafür gab es Lockdown, Masken und jede Menge Zeit zu Hause. Hätte es Corona nicht gegeben bzw. würde es Corona nicht geben, würde ich öfter in der Sonne einen Café trinken oder an der Garonne sitzen. Es würde mehr Abende mit Freunden geben, mehr gemeinsames Reisen und bestimmt auch ein paar mehr Partys. Doch es war nicht ganz so wild, über den Sommer war es relativ locker in Frankreich und man konnte die warmen Sommertage gut genießen. Ich hatte einen richtig schönen Sommer hier.

Was wäre aus Ihrer Sicht besser, wenn Sie zu einer „coronafreien“ Zeit in Frankreich wären?

Das soziale Leben, Kultur, Neues entdecken und alles, was jeder gerade vermisst.

Hat Corona Ihren Auslandsaufenthalt auch in irgendeine Richtung positiv beeinflusst?

Ja, ich konnte hier so viel auf der Klinik sein und habe sechs Monate famuliert, so viel Praxiserfahrung hätte ich sonst nicht gehabt. Da es keine Kurse mit Anwesenheit gab und ich selten an der Uni war, habe ich mehr Menschen kennengelernt, die nicht studieren. Dadurch habe ich viele interessante Menschen getroffen, die ich vielleicht sonst nicht getroffen hätte.

Was würden Sie Studierenden raten, die gerade vor der Entscheidung stehen, sich für einen Auslandsaufenthalt zu bewerben?

Sich zu bewerben! In anderen Gesundheitssystemen, Krankenhäusern und Studiensystemen zu studieren/arbeiten sind wichtige Erfahrungen. Andere Kulturen und Länder bereichern das Leben. Nichts erweitert den Horizont mehr, als die Komfortzone zu verlassen und in fremden Ländern und auf fremden Sprachen auf sich gestellt zu sein, im Studium/Beruf oder im alltäglichen Leben.

 

 

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