International Office

Ein Auslandsaufenthalt in Zeiten von Corona? Vier Med Uni Graz-Studierende, die ihren Auslandsaufenthalt trotz Corona gestartet oder fortgesetzt haben, und aktuell in Frankreich, Lettland, Mexiko und Kanada studieren, famulieren, Praktika absolvieren und forschen, berichten von ihren Erfahrungen. Wir haben sie gefragt, warum sie trotz der Pandemie ins Ausland gegangen oder dort geblieben sind, wie ihr Alltag vor Ort aussieht, ob Corona sogar etwas Positives mit sich gebracht hat und was sie anderen Studierenden raten würden, die vor der Entscheidung stehen, ins Ausland zu gehen.

 

Teil 3 – KPJ in Mexiko

Amelie studiert im 12. Semester Humanmedizin an der Med Uni Graz und absolviert seit März 2020 selbstorganisiert ihr KPJ für die Tertiale Chirurgie und Innere Medizin am Hospital General de Mexico in Mexico City. Als sie nach Mexiko aufbrach, war das Virus noch nicht in Europa und Südamerika angekommen, der Ausbruch war jedoch absehbar. Dennoch hatte sie die Hoffnung, dass es nicht so extrem werden würde und sie ihr Praktikum absolvieren könne. Als die Pandemie auch Mexiko erreichte, brach sie ihren Aufenthalt nicht ab, sondern verlängerte ihn sogar.

Haben Sie überlegt, nach Hause zurück zu kehren? Warum haben Sie sich dazu entschieden, vor Ort zu verlängern?

Ja, ich habe überlegt nach Hause zu fliegen. Vor allem, weil ich nicht wusste, ob und wann man im Notfall zurück könnte. Außerdem wurde mir hier vor Ort gesagt, dass das Gesundheitssystem in solchen Situationen schnell überlastet ist, dass auch die Wirtschaft schnell zusammenbricht und es soziale Aufstände geben könnte und, dass die Versorgungskette zusammenbrechen könnte und es zu Nahrungsmangel kommen kann. Dieser Fall ist zum Glück nicht eingetroffen. Ich habe mich entschieden zu bleiben, weil ich schon lange mit großer Vorfreude auf mein Praktikum hier gewartet hatte und optimistisch war, dass die Situation nicht eskalieren würde.

Wie war die COIVD-19 Situation im März für Sie vor Ort?

Im März war hier noch die sogenannte Ruhe vor dem Sturm. Noch war Corona nicht angekommen, es wurden aber bereits alle Vorbereitungen getroffen. Im April kam bereits der Lockdown, so konnte das Virus relativ lange in Schach gehalten werden. Gegen Juni fingen die Fälle dann an, exponentiell zu steigen, zur gleichen Zeit wurde allerdings der Lockdown aufgehoben. Viele Leute in Mexiko sind Tageslöhner und leben von dem, was sie täglich verkaufen. Somit war es nicht möglich, die Leute einzusperren, denn es hieß „entweder sterben wir an Corona oder eben vor Hunger“. Die Uni hier hat mich in jeder Hinsicht gut unterstützt. Mir wurde angeboten, den Aufenthalt abzubrechen und nach Hause zu fliegen. Aber auch die Option, alles wie geplant zu machen, blieb mir offen. Die Koordinatorin des International Office hat mich täglich angerufen, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist, und sie hat mir ihre private Nummer gegeben, sodass ich jederzeit eine Ansprechpartnerin hatte. Das Krankenhaus hat mir versichert, dass ich für jegliche gesundheitliche Probleme versorgt werde. Viele der hiesigen KPJ-Studierenden haben sich beschwert, ein zu großes Risiko für ihre Familien einzugehen und wurden somit für eine Zeit suspendiert. Es blieb aber immer die Option offen, freiwillig ins Praktikum zu kommen.

Wie sieht Ihr Alltag in Mexiko aus? Wodurch unterscheidet er sich von einem „normalen“ Aufenthalt, wie Sie ihn sich ursprünglich erwartet hätten, hätte es Corona nicht gegeben?

In der Freizeit gab es leider die meiste Zeit wenig Angebot. Alle Restaurants, Bars, Clubs, Museen, Parks und Fitnessstudios waren geschlossen. Somit bestand der Alltag aus Krankenhaus, Hausaufgaben, Zoom-Unterricht, etwas Sport, kochen, essen. Zum Glück hatte ich sehr nette Nachbarn, mit denen ich die Zeit verbringen konnte.

Was wäre aus Ihrer Sicht besser, wenn Sie zu einer „coronafreien“ Zeit in Mexiko wären? Alles oben erwähnte hätte ich natürlich gerne erlebt. Mexiko City hat ein unglaublich vielfältiges Kulturangebot und ein lebendiges Nachtleben. All das habe ich leider verpasst. Ich konnte auch mit den Studenten und Kollegen außerhalb des Praktikums nichts unternehmen, somit war das Schließen von Freundschaften leider aufs Krankenhaus begrenzt.

Hat Corona Ihren Auslandsaufenthalt auch in irgendeine Richtung positiv beeinflusst?

Das Gute an Corona war, dass man Wochenendausflüge machen konnte und paradiesische menschenleere Strände aufgefunden hat. Auch in der Innenstadt, die normalerweise völlig überlaufen ist, konnte man über Plätze und Straßen entlang bummeln, ohne einen einzigen anderen Menschen anzutreffen. Das war einzigartig.

Seit ein paar Wochen haben auch Restaurants, Parks und ein paar Ausstellungen wieder offen. Alles ist zwar mit Reservierung, aber dafür viel mehr zu genießen, weil einfach alles nicht so voll ist.

Im Praktikum war ein Vorteil, dass viele Studierende nicht ins Praktikum kamen und somit mehr interessante Fälle und Sachen zum Üben für mich blieben.

Was würden Sie Studierenden raten, die gerade vor der Entscheidung stehen, sich für einen Auslandsaufenthalt zu bewerben?

Ich rate ihnen, sich auf jeden Fall zu bewerben und Auslandserfahrung zu sammeln. Trotz Corona war das Praktikum ein absoluter Hit. Ich habe wahnsinnig viel gelernt und mitgenommen und unglaublich viele tolle Menschen kennengelernt. Das Freizeitangebot zumindest hier in Mexiko wurde auch so langsam wieder angekurbelt, so dass man auch ein paar Sachen erleben kann.

  

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